{"id":3,"date":"2010-03-01T20:45:32","date_gmt":"2010-03-01T17:45:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.jwernst.ch\/wordpress\/?page_id=3"},"modified":"2020-02-01T14:38:01","modified_gmt":"2020-02-01T11:38:01","slug":"biografie","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.jwernst.ch\/wordpress\/biografie\/","title":{"rendered":"Biografie"},"content":{"rendered":"<p><strong>Johann Wolfgang Ernst<\/strong><\/p>\n<p>Johann Wolfgang Ernst, 14. September 1910 \u2014 20. M\u00e4rz 1986, Dr. phil., Philologe, Sprachgestalter, B\u00fchnenk\u00fcnstler, historischer Forscher, Mitarbeiter und sp\u00e4terer Leiter der Marie Steiner Schule f\u00fcr Sprachgestaltung und dramatische Kunst. Hat sich als Sch\u00fcler Marie Steiners insbesondere den anthroposophischen Sprachimpuls in Kunst, Methodik und Wissenschaft zur Lebensaufgabe gemacht. Zu seinen Hauptwerken geh\u00f6rt die in wesentlichen Teilen unver\u00f6ffentlichte Arbeit zur Plato-Forschung.<\/p>\n<p>J. W. Ernst wurde in Annaberg, Nieder\u00f6sterreich, als zweites Kind des dortigen Lehrers geboren. Er h\u00f6rte am Wiener Kongress 1922 den letzten Vortrag Rudolf Steiners. Die Mutter stellte ihn danach dem Referenten vor. R. Steiner empfahl den Knaben an die Waldorfschule in Stuttgart. Dort schloss J. W. Ernst 1930 mit dem Abitur ab und nahm das Studium der Romanistik in Wien und an der Pariser Sorbonne auf. 1936 promovierte er mit einer Dissertation \u00fcber ein vergleichendes sprachhistorisches Thema (s. Werkverz.).<\/p>\n<p>Zuerst 1922, dann 1925 h\u00f6rte er Marie Steiners Rezitationskunst. 1) Er erlebte diese als eines der gr\u00f6ssten k\u00fcnstlerischen und geistigen Ereignisse des Jahrhunderts. Von 1929 an h\u00f6rte er als B\u00fchnenhelfer in den Semesterferien regelm\u00e4ssig, mit gr\u00f6sstem Interesse ihre Proben. Das daran entwickelte methodisch-k\u00fcnstlerische Geh\u00f6r bildete ab 1936 die Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit mit der von Marie Steiner ausgebildeten und als Meisterin anerkannten Sprachgestalterin Hertha-Luise Zuelzer (1907 \u2014 1974) in Wien. 1938 berief Marie Steiner H. L. Zuelzer und J. W. Ernst als Mitarbeiter nach Dornach und bewahrte sie vor dem Schicksal der Okkupation. Ernst wurde Sch\u00fcler und sp\u00e4ter Schauspieler bei Marie Steiner. Er widmete sich daneben der sprachlichen und historischen Forschung. Sein Asylstatus und die Wirren um die Nachlassverf\u00fcgung Marie Steiners 2) machten seine offizielle Mitarbeit am Goetheanum teilweise unm\u00f6glich. 1938 verm\u00e4hlte er sich mit Hertha-Luise Zuelzer.<\/p>\n<p>Sein wissenschaftliches T\u00e4tigkeitsfeld liegt in der Zeit von 1938 bis 1946 neben der k\u00fcnstlerischen Sprach- und B\u00fchnenarbeit bei der \u00dcbersetzung manich\u00e4ischer Texte aus dem Koptischen, Forschungen zum Urchristentum, zum Ursprung der Schweiz, bei der Ausarbeitung einer okkulten Naturgeschichte und der Zusammenfassung seiner methodischen Erkenntnisse der Sprachgestaltung im &#8222;Buch der Sprache&#8220;.<\/p>\n<p>Diese T\u00e4tigkeiten wurden z. T. unterbrochen durch den Auftrag Marie Steiners an H. L. Ernst-Zuelzer und J. W. Ernst, die Ausbildungsschule f\u00fcr Sprachgestaltung und dramatische Kunst am Goetheanum zu f\u00fchren. Gedacht war an ein breit angelegtes Studium mit gr\u00f6sserem F\u00e4cherangebot, wozu M. Steiner auch Finanzen bereitstellte. Hier wirkte er zun\u00e4chst als Dozent f\u00fcr Poetik und Gymnastik, dann auch f\u00fcr Sprachgestaltung. Dabei entstanden \u00dcbersetzungen und dramaturgische Bearbeitungen f\u00fcr die Rezitationskunst. In der selben Zeit pflegte er eine Zusammenarbeit mit dem Arzt Ernst Marti in therapeutischer Sprachgestaltung.<\/p>\n<p>Nach M. Steiners Tod wurde die Schule in Dornach angefochten und zog ab 1951 nach Malsch. Mit einer herangebildeten Schauspieltruppe wurden bis ca. 1956 erfolgreiche Tourneen mit hervorragender \u00f6ffentlicher Resonanz unternommen.<\/p>\n<p>In einem kleinen Kreis widmete sich J.W. Ernst Forschungen zur Geschichte der anthroposophischen Bewegung und Gesellschaft, sowie zur Biographie Rudolf Steiners. Nach diversen Antr\u00e4gen dieser Gruppe an der Generalversammlung der AAG 1963 wurde er zusammen mit f\u00fcnf weiteren Mitgliedern ohne Angabe von Gr\u00fcnden ausgeschlossen.<\/p>\n<p>1963 erkrankte seine Frau. Mit Unterst\u00fctzung der G\u00f6nnerin Eugenia Gourvitch konnte er die Schule an verschiedenen Orten, in England, Deutschland, Sizilien und Griechenland, in reduziertem Mass weiterf\u00fchren. W\u00e4hrend der jahrelangen pers\u00f6nlichen Pflege seiner Frau entstand das zentrale Werk \u00fcber Plato mit interpretativer Neu\u00fcbersetzung des Dialogs &#8222;Ion&#8220; (s. Werkverz.). Diese Arbeit k\u00f6nnte nach Aussage eines der besten Fachleute auf diesem Gebiet (H. Flashar) das g\u00e4ngige Platonbild umst\u00fcrzen.<\/p>\n<p>Nach dem Tod von Hertha-Luise Ernst-Zuelzer nahm er die Marie Steiner Schule wieder auf und intensivierte die schriftstellerische T\u00e4tigkeit. Aufs\u00e4tze u.a. zur Sprachgestaltung, zu aktuellen Kulturph\u00e4nomenen, zum Christentum und ein geisteswissenschaftlich fundiertes Werk zur Zukunftsforschung (s. Werkverz.) verschafften ihm eine zwar nicht breite, aber nachhaltige Wirkung. Ebenfalls konnte die sprachtherapeutische Arbeit am Kinderheim Waldhaus in Malsch mit z. T. grossen Erfolgen weiterentwickelt werden.<\/p>\n<p>1976 machte er Bekanntschaft mit Dorothea Vaudaux, seiner sp\u00e4teren zweiten Frau und lebte ab 1980 in Muttenz bei Basel. Er f\u00fchrte die Ausbildungst\u00e4tigkeit in kleinerem Rahmen fort und widmete sich intensiv der Erforschung und Diskussion der Konstitutionsfragen der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft, der Herausgabe eines Werkes von E. Gourvitch \u00fcber Vladimir Solovjoff und der \u00dcbersetzung aus den Evangelien, u. a. des Markus-Evangeliums mit breiter philologischer und inhaltlicher Kommentierung. Er starb nach kurzer Krankheit in der Ita Wegman-Klinik, Arlesheim. Die besondere Methodik der Marie Steiner Schule wird von Dorothea Ernst Vaudaux und J\u00fcrg Schmied weiter gepflegt.<\/p>\n<p>J\u00fcrg Schmied<\/p>\n<p>Anmerkungen:<br \/>\n1) Das Folgende st\u00fctzt sich u.a. auf den unver\u00f6ffentlichten Aufsatz von J. W. Ernst \u00fcber &#8222;Marie Steiners Sprachgestaltung, ein Lebensbild aus Miterleben&#8220;, Typeskript ca. 1985.<br \/>\n2) Vgl. J. W. Ernst: Vorgeschichte der Nachlassverf\u00fcgungen Marie Steiners (s.u.).<\/p>\n<p><strong>Ver\u00f6ffentlichte Werke:<\/strong><br \/>\nPeriodizit\u00e4t sprachlicher Vorg\u00e4nge, Dissertation Wien 1936.<br \/>\nDie Erz\u00e4hlung vom Sterben des Mani. Aus dem Koptischen \u00fcbertragen und rekonstruiert, Basel, 1941.<br \/>\nWesen des Eingeweihtentums, Manuskriptdruck, Dornach o. J. (vermutl. 1942 od. 43).<br \/>\nAntigone von Sophokles, Malsch 1951.<br \/>\nDie Eumeniden von Aischylos, Malsch 1951.<br \/>\nAuferstehungsbilder, geistliches Spiel, Hannover 1952.<br \/>\nMedea von Euripides, Coburg 1955.<br \/>\nK\u00f6nig Oedipus von Sophokles, Coburg 1955.<br \/>\nDas Schicksal unserer Zivilisation und die kommende Kultur des 21. Jahrhunderts, Freiburg 1972, \u00fcberarbeitete Neuauflage Schaffhausen 1987.<br \/>\nIon, die Kunst Dichtung zu sprechen von Platon, Freiburg i. Br. 1975.<br \/>\n\u00dcber den Ursprung der sogenannten &#8222;Allgemeinen anthroposophischen Gesellschaft&#8220;, Privatdruck, Malsch 1977, erweiterte Auflage 1980.<br \/>\nKriterien der anthroposophischen Gemeinschaftsbildung, Privatdruck, Malsch 1980.<br \/>\nDie musische Kunst, Schl\u00fcssel der Kultur, Malsch 1980.<\/p>\n<p><strong>Unver\u00f6ffentlichte Werke (Auswahl):<\/strong><br \/>\nEvangelium nach Sanctum Germanum. (Zusammenschau seiner damaligen Forschung am Urchristentum), Typeskript ca. 1945\/46<br \/>\nDer wirkliche Tell und die wahren Eidgenossen. Stiftung der Schweiz, Typeskr. 1946.<br \/>\nBuch der Sprache, Typeskr. (J. ?).<br \/>\n\u00dcber den &#8222;K\u00f6nig Oedipus&#8220; des Sophokles. Vorschl\u00e4ge zu einer Revision des Textverst\u00e4ndnisses. Typeskr. 1957\/58.<br \/>\nDichtung und Sprache in der Welt der kunstwahrnehmenden Sinne, Typeskr. 1967.<br \/>\nPlatons Philosophie der Dichtung und der Kunst sie zu sprechen. Ms. 1968 \u2014 1973.<br \/>\nPoetik des Klanges beim Sprechen, Ms. Taormina 1973.<br \/>\n\u00dcbersetzungen aus den Evangelien, Typeskr. 1979.<br \/>\nDie Entscheidung f\u00fcr Rudolf Steiner, Typeskr. o. J. (zwischen 1980\/86).<br \/>\nDie Kundige Botschaft \u2014 Botschaft der Wahrheit nach Markus, \u00fcbersetzt von J. W. Ernst, Ms. 1984 \u2014 86.<\/p>\n<p><strong>Aufs\u00e4tze (Auswahl):<\/strong><br \/>\nIn: Das Goetheanum 1936 \u2014 1943 u.a. zu philologischen, historischen und geisteswissenschaftlichen Themen, sowie zum Manich\u00e4ismus.<br \/>\nIn: Bl\u00e4tter f\u00fcr die Anthroposophie, hgg. von H. E. Lauer, Basel ab 1950 u.a. \u00fcber Urchristentum, okkulte Naturgeschichte.<br \/>\nVorgeschichte der Nachlassverf\u00fcgungen Marie Steiners, in: Mitteilungen der anthroposophischen Bewegung, hgg. von Jakob Streit, Spiez, Nr. 69, Michaeli 1980.<br \/>\nIn: Die Kommenden, hgg. von Herbert F. Hillringhaus, Freiburg i. Br. 1973 \u2014 1986, u.a. zur Sprachgestaltung, zu Mani, Plato, Alexander dem Grossen, Gegenwartsfragen, sowie Vorabdruck des Buches &#8222;Das Schicksal unserer Zivilisation&#8230;&#8220; (s. o.).<br \/>\nSind wir G\u00f6tter? (\u00dcber Platons Wirklichkeitsbegriff) in: Hansj\u00f6rg Weitbrecht u. a. (Hg.): Was ist Wirklichkeit? Vom Vergn\u00fcgen die Welt zu erkennen, Stuttgart 1983.<\/p>\n<p><strong>Biographisches:<\/strong><br \/>\nMax Jost (Hg.): Worte des Gedenkens, Privatdruck, Oberwil 1986. Darin Beitr\u00e4ge von Karl Ludwig Hepp, Max Jost, Wolfgang Klingler, J\u00fcrg Schmied, Dorothea Ernst. Emil St\u00f6cklin, Gerold Aregger.<br \/>\nGerold Aregger: &#8222;&#8230; dass er nochmals beginne&#8220;, in: Info 3, 7-8, 1986.<br \/>\nJ\u00fcrg Schmied: Ein Leben f\u00fcr die Zukunft, in: Gegenwart, 48. Jg., August\/September 1986.<\/p>\n<p><strong>Nachlass:<\/strong><br \/>\nDer umfangreiche Nachlass bestehend aus Briefwechseln, Dokumenten u. a. zur Marie Steiner Schule f\u00fcr Sprachgestaltung und dramatische Kunst, Manuskripten und Entw\u00fcrfen ist teilweise gesichtet und befindet sich bei: Dorothea Ernst-Vaudaux, Waldhofstrasse 6, CH-4310 Rheinfelden. Es besteht eine Vereinbarung zur \u00dcbernahme desselben durch die Rudolf Steiner Nachlassverwaltung in Dornach.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Johann Wolfgang Ernst Johann Wolfgang Ernst, 14. September 1910 \u2014 20. M\u00e4rz 1986, Dr. phil., Philologe, Sprachgestalter, B\u00fchnenk\u00fcnstler, historischer Forscher, Mitarbeiter und sp\u00e4terer Leiter der Marie Steiner Schule f\u00fcr Sprachgestaltung und dramatische Kunst. Hat sich als Sch\u00fcler Marie Steiners insbesondere den anthroposophischen Sprachimpuls in Kunst, Methodik und Wissenschaft zur Lebensaufgabe gemacht. 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